Gewaltfreies Christentum · Kritik an Staat und Kirche · 1828–1910
Lew Tolstoi
Einen Sinn suchen, den der Tod nicht aufhebt, und Gewalt verweigern.
Jasnaja Poljana · Moskau · Astapowo
Philosophie
Ideen, die den Blick verändern.
01
Nichtwiderstreben dem Bösen
Im Anschluss an Matthäus 5,39 hält Tolstoi daran fest, dass dem Bösen nie mit Gewalt begegnet werden darf, weil Zwang das Übel wiederholt, das er zu unterdrücken vorgibt; der Grundsatz verurteilt Krieg, Strafgerichte und Todesstrafe gleichermaßen.
Eine Situation zum Nachdenken
Den Militärdienst verweigern, wie es viele Duchoborzen taten, statt gegen einen Feind oder Aufständischen zu den Waffen zu greifen.
02
Kunst als Ansteckung des Gefühls
Kunst ist die Tätigkeit, durch die ein Mensch ein selbst erlebtes Gefühl bewusst mit äußeren Zeichen weitergibt, sodass andere davon angesteckt werden; ihr Wert hängt von der Aufrichtigkeit der Übertragung und vom übertragenen Gefühl ab.
Eine Situation zum Nachdenken
Ein Junge, der seine Begegnung mit einem Wolf so erzählt, dass die Zuhörer seine Angst spüren, übt bereits Kunst aus.
03
Glaube als Wissen vom Lebenssinn
Die Vernunft allein folgert, dass ein endliches Leben sinnlos ist; für Tolstoi ist der Glaube das Wissen vom Sinn des Lebens, aus dem Menschen tatsächlich leben, weil er das Endliche mit dem Unendlichen verbindet.
Eine Situation zum Nachdenken
Die Bauern, die Tolstoi in Meine Beichte schildert, arbeiten, leiden und sterben ohne Verzweiflung, weil sie glauben, dass ihr Leben zu etwas Größerem gehört.
04
Das Reich Gottes im Inneren
Das Reich Gottes ist weder künftiger Lohn noch Institution, sondern ein Gesetz der Liebe in jedem Gewissen; ihm zu gehorchen heißt, das Gewissen über Staat, Kirche und öffentliche Meinung zu stellen.
Eine Situation zum Nachdenken
In Südafrika las Gandhi um 1894 Das Reich Gottes ist in euch und nannte 1910 eine genossenschaftliche Siedlung Tolstoy Farm.