Muss man Gesetzen immer gehorchen?
Dem Argument des Kriton folgen, ohne daraus eine Parole des unbedingten Gehorsams zu machen. Der Dialog verbindet erlittenes Unrecht, Verpflichtungen und die Verantwortung des Handelnden.
Eine eigens verfasste Einführung. Dieser Leitfaden begleitet die Lektüre des Werks; er ist weder dessen vollständiger Text noch eine Übersetzung.
Ein sehr konkreter Vorschlag
Kriton bietet seinem verurteilten Freund die Flucht an. Er verweist auf das Ansehen der Freunde, Sokrates’ Kinder und die praktische Möglichkeit fortzugehen. Diese Gründe sind nicht unsinnig: Der Dialog nimmt sie ernst und verschiebt dann die Frage. Soll sich die Entscheidung an der Meinung der Mehrheit oder an der Gerechtigkeit messen?
Unrecht nicht mit Unrecht vergelten
Sokrates fragt, ob man auf einen Schaden mit einem weiteren antworten darf. Dieser Grundsatz ordnet das Gespräch, doch seine Anwendung auf die Flucht braucht ein eigenes Argument. Überspringe diesen Schritt nicht: Einem allgemeinen Prinzip zuzustimmen bedeutet nicht, jede besondere Schlussfolgerung anzunehmen. Prüfe genau, welchen Schaden die Flucht wem zufügen würde.
Wenn die Gesetze sprechen
Platon lässt die Gesetze als Personen auftreten: Sie erinnern an die erhaltene Erziehung, an Möglichkeiten fortzugehen und an Verpflichtungen des Zusammenlebens. Diese Szene verlangt Diskussion, nicht bloße Wiederholung. Vergleiche sie mit der Ablehnung ungerechter Befehle in der Apologie. Die Spannung zwischen Gewissen und politischer Zugehörigkeit bleibt eine produktive Frage, keine unmittelbar verfügbare Universalregel.
Gemeinschaftstreue und Gerechtigkeit verlangen Begründungen; sie stimmen nicht immer problemlos überein.
Jetzt bist du am Zug.
- Erlaubt erlittenes Unrecht jede beliebige Antwort?
- Welche Verpflichtungen gegenüber einer Gemeinschaft lassen sich unter welchen Bedingungen ändern?
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