Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie
Die erste Abhandlung trennt das Sexualobjekt vom Sexualziel und vertritt die Ansicht, dass Inversion und Perversionen von der gewöhnlichen Sexualität nicht durch eine scharfe Grenze geschieden sind, da der Trieb mit seinem Objekt nur locker verlötet ist. Die zweite behauptet, dass die Sexualität in der frühen Kindheit beginnt, mit dem Ludeln als Vorbild autoerotischer Lust und Mund, After und Haut als erogenen Zonen; die dritte verfolgt, wie die Pubertät diese Partialtriebe dem Primat der Genitalzone unterordnet.
Den Text verstehen
Das 1905 in Wien erschienene Werk, im selben Jahr wie die Krankengeschichte Doras und das Buch über den Witz, hat Freud neben dem Traumbuch am stärksten überarbeitet. Die Auflagen von 1910, 1915, 1920 und 1924 fügten die Libidotheorie, die prägenitalen Organisationsstufen und zahlreiche Fußnoten hinzu, darunter eine von 1920, die den Ödipuskomplex den Kernkomplex der Neurosen nennt.
Die Kerngedanken
- 01
Objekt und Ziel
Indem Freud unterscheidet, wen das Begehren wählt und was es zu tun sucht, behandelt er Spielarten des Sexuallebens als zu erklärende Gradunterschiede, nicht als Zeichen erblicher Degeneration.
- 02
Infantile Sexualität
Die infantile Amnesie und die Latenzzeit haben nach Freud vor den Erwachsenen verborgen, dass Kinder körperliche Lust suchen und eigene Sexualtheorien bilden.
- 03
Objektfindung
In der Pubertät wendet sich der Trieb einer anderen Person zu, doch nach Freud ist die Objektfindung eigentlich eine Wiederfindung, die vor allem der ersten Beziehung des Säuglings zur Mutterbrust nachgebildet ist.
Die Gedanken vertiefen
Sexualität von der Kindheit her denken
Untersuchen Sie, wie die Drei Abhandlungen Trieb und Objekt trennen, die Anfänge der Sexualität in die Kindheit verlegen und ihre Neuordnung in der Pubertät verfolgen.
Den Text einordnen
Das 1905 in Wien erschienene Werk, im selben Jahr wie die Krankengeschichte Doras und das Buch über den Witz, hat Freud neben dem Traumbuch am stärksten überarbeitet. Die Auflagen von 1910, 1915, 1920 und 1924 fügten die Libidotheorie, die prägenitalen Organisationsstufen und zahlreiche Fußnoten hinzu, darunter eine von 1920, die den Ödipuskomplex den Kernkomplex der Neurosen nennt. Die erste Abhandlung trennt das Sexualobjekt vom Sexualziel und vertritt die Ansicht, dass Inversion und Perversionen von der gewöhnlichen Sexualität nicht durch eine scharfe Grenze geschieden sind, da der Trieb mit seinem Objekt nur locker verlötet ist. Die zweite behauptet, dass die Sexualität in der frühen Kindheit beginnt, mit dem Ludeln als Vorbild autoerotischer Lust und Mund, After und Haut als erogenen Zonen; die dritte verfolgt, wie die Pubertät diese Partialtriebe dem Primat der Genitalzone unterordnet.
Den Argumenten folgen
Objekt und Ziel : Indem Freud unterscheidet, wen das Begehren wählt und was es zu tun sucht, behandelt er Spielarten des Sexuallebens als zu erklärende Gradunterschiede, nicht als Zeichen erblicher Degeneration. Infantile Sexualität : Die infantile Amnesie und die Latenzzeit haben nach Freud vor den Erwachsenen verborgen, dass Kinder körperliche Lust suchen und eigene Sexualtheorien bilden. Objektfindung : In der Pubertät wendet sich der Trieb einer anderen Person zu, doch nach Freud ist die Objektfindung eigentlich eine Wiederfindung, die vor allem der ersten Beziehung des Säuglings zur Mutterbrust nachgebildet ist.
Weiterlesen
Lesen Sie den Anfang der ersten und die ganze zweite Abhandlung und prüfen Sie dabei, aus welcher Auflage jede Passage stammt; lesen Sie die Bemerkungen über Frauen, Homosexualität und Normalität kritisch und mit Blick auf ihren medizinischen Kontext von 1905. Das 1905 in Wien erschienene Werk, im selben Jahr wie die Krankengeschichte Doras und das Buch über den Witz, hat Freud neben dem Traumbuch am stärksten überarbeitet. Die Auflagen von 1910, 1915, 1920 und 1924 fügten die Libidotheorie, die prägenitalen Organisationsstufen und zahlreiche Fußnoten hinzu, darunter eine von 1920, die den Ödipuskomplex den Kernkomplex der Neurosen nennt.
Fragen für die weitere Lektüre
- Was gewinnt Freud durch die Unterscheidung von Sexualobjekt und Sexualziel?
- Warum haben Erwachsene nach Freud ihre eigene infantile Sexualität vergessen?
Die Drei Abhandlungen machen die Sexualität zu einer Geschichte, die in der frühen Kindheit beginnt, sodass das erwachsene Begehren Spuren früherer Lüste und Bindungen trägt.
Hinweise zur Lektüre
Lesen Sie den Anfang der ersten und die ganze zweite Abhandlung und prüfen Sie dabei, aus welcher Auflage jede Passage stammt; lesen Sie die Bemerkungen über Frauen, Homosexualität und Normalität kritisch und mit Blick auf ihren medizinischen Kontext von 1905.
Ausgaben & Quellen
Zusammenfassungen und Kerngedanken sind eigenständige redaktionelle Interpretationen. Sie begleiten die Lektüre des Werkes und ersetzen keine Textausgabe. Redaktionelle Methode →