Psychoanalyse · Wiener Neurologie · 1856–1939

Sigmund Freud

In Träumen und Symptomen die Wünsche lesen, von denen wir nichts wissen.

Příbor · Wien · London
Philosophie

Ideen, die den Blick verändern.

01

Das Unbewusste und die Verdrängung

Nach Freud werden Vorstellungen, die mit den übrigen Wünschen eines Menschen unvereinbar sind, nicht vernichtet, sondern aus dem Bewusstsein gedrängt: Sie bleiben wirksam und kehren in entstellter Form wieder, etwa als Symptome, Fehlleistungen und Träume. Verdrängung ist kein einmaliger Akt, sondern ein beständiger Kraftaufwand gegen das, was unablässig zur Wiederkehr drängt.

Eine Situation zum Nachdenken

Freud führte sein eigenes Vergessen des Malernamens Signorelli auf eine Kette von Assoziationen zurück, die zu Tod und Sexualität führte, Themen, die er lieber von sich fernhielt.

02

Traumarbeit

Die Traumarbeit übersetzt die latenten Traumgedanken durch Verdichtung, Verschiebung, Rücksicht auf Darstellbarkeit und sekundäre Bearbeitung in den manifesten Traum. Der Sinn liegt nicht in den Bildern für sich genommen, sondern in den Assoziationen, zu denen jedes Element führt.

Eine Situation zum Nachdenken

Eine Traumfigur mit dem Gesicht eines Freundes und der Stimme eines anderen kann zwei Menschen verdichten, denen der Träumer ähnliche, unausgesprochene Gefühle entgegenbringt.

03

Trieb und Libido

Freud beschreibt den Trieb als einen Grenzbegriff zwischen Seelischem und Somatischem, bestimmt durch Quelle, Drang, Ziel und Objekt. Libido heißt die Energie der Sexualtriebe; seit 1920 stellte er den Lebenstrieben, die er unter dem Namen Eros zusammenfasste, einen Todestrieb gegenüber, der zur Auflösung strebt.

Eine Situation zum Nachdenken

Ein Säugling, der nach dem Stillen weiter saugt, zeigt für Freud eine Lust, die sich vom Nahrungsbedürfnis abgelöst hat.

04

Es, Ich und Über-Ich

In Das Ich und das Es von 1923 teilt Freud die Psyche in das Es, das Reservoir der Triebe, das Ich, das zwischen Es, äußerer Realität und Gewissen vermittelt, und das Über-Ich, das durch die Verinnerlichung elterlicher Autorität entsteht. Große Teile von Ich und Über-Ich sind selbst unbewusst.

Eine Situation zum Nachdenken

Wer gleich nach einem lange ersehnten Erfolg erkrankt, stößt nach Freud womöglich auf die Strenge seines eigenen Über-Ichs.

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