Kriton
Kriton besucht den verurteilten Sokrates mit einem durchführbaren Fluchtplan. Das Gespräch prüft, ob Freundschaft, Ansehen und Familienpflichten die Flucht rechtfertigen, und lässt dann die Gesetze selbst nach der Bindung an die Bürgerschaft fragen.
Den Text verstehen
Die Szene liegt zwischen Urteil und Hinrichtung. Ihr personifiziertes Argument ist mit den Fällen berechtigter Befehlsverweigerung in der Apologie zusammenzulesen.
Die Kerngedanken
- 01
Unrecht und Vergeltung
Erlittenes Unrecht erlaubt nicht von selbst neues Unrecht; ob eine Flucht tatsächlich jemanden schädigt, bleibt eigens zu begründen.
- 02
Zuständiges Urteil
Sokrates unterscheidet die Meinung der Mehrheit vom Urteil dessen, der Gerechtigkeit versteht, auch wenn dieses Urteil unbeliebt ist.
- 03
Rede der Gesetze
Wohnsitz, Erziehung und frühere Möglichkeiten fortzuziehen begründen eine Verpflichtung, deren genaue Reichweite bis heute umstritten bleibt.
Die Gedanken vertiefen
Fliehen oder Handlungen verantworten
Kriton bietet an, die Flucht des zum Tod verurteilten Sokrates zu organisieren. Zuneigung, Kinder und der Ruf der Freunde geben der Szene konkrete Dringlichkeit. Sokrates fragt dennoch, ob Mehrheitsmeinung entscheidet und ob eine Ungerechtigkeit mit einer anderen beantwortet werden darf.
Die Gesetze sprechen
Athens Gesetze werden personifiziert und erinnern an Bildung, Bürgerschaft und die Möglichkeit, die Stadt zu überzeugen. Daraus folgt nicht automatisch grenzenloser Gehorsam gegenüber jedem Gesetz und Staat: Prüfen Sie Rede, Situation und mögliche Einwände.
Hinweise zur Lektüre
Trennen Sie die Behauptungen der Gesetze von eigenen Annahmen über Gehorsam. Prüfen Sie, welche Rolle stillschweigende Zustimmung und die Möglichkeit der Überzeugung spielen.
Ausgaben & Quellen
Zusammenfassungen und Kerngedanken sind eigenständige redaktionelle Interpretationen. Sie begleiten die Lektüre des Werkes und ersetzen keine Textausgabe. Redaktionelle Methode ↗