Sagen und schreiben, was man sieht und hört: Die Welt ist Gottes lebendiges Werk.
Disibodenberg · Rupertsberg · Eibingen
Philosophie
Ideen, die den Blick verändern.
01
Viriditas (Grünkraft)
Viriditas, die Grünkraft, bezeichnet die feuchte, lebenspendende Kraft, die Gott in Pflanzen, Körper und Seelen strömen lässt; ihr Gegenteil ist die Dürre, das Welken der Natur wie der Tugend.
Eine Situation zum Nachdenken
Im Gesang O viridissima virga wird Maria als grünster Zweig gegrüßt, in dem eine Blume erblüht und die ganze Erde sich freut.
02
Der Schatten des lebendigen Lichts
Hildegard erklärt, sie habe weder im Traum noch in Ekstase geschaut, sondern wach und mit offenen Augen, in einem Glanz, den sie den Schatten des lebendigen Lichts nannte und in dem ihrer Seele Worte und Bilder erschienen.
Eine Situation zum Nachdenken
In einem Brief von 1175 an den Mönch Guibert von Gembloux schreibt sie, dass sie dieses Licht seit ihrer Kindheit sehe, während ihre äußeren Sinne weiterarbeiteten.
03
Mensch und Kosmos
Der Mensch ist aus dem Stoff der ganzen Schöpfung gebildet und steht in ihrer Mitte; daher entsprechen die Elemente, Winde und Säfte der Welt dem Körper, seiner Gesundheit und seinen Leidenschaften.
Eine Situation zum Nachdenken
Im Buch der göttlichen Werke steht eine menschliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen in den Kreisen des Kosmos, während die Winde von allen Seiten auf sie zu wehen.
04
Symphonie
Musik ist für Hildegard eine Spur der Harmonie, die Adam vor dem Sündenfall kannte; das Singen der Liturgie verbindet die menschliche Stimme mit dem Lob der Engel und der Ordnung der Schöpfung.
Eine Situation zum Nachdenken
Als die Mainzer Prälaten in ihrem Kloster den Gesang verboten, warnte sie, wer das Gotteslob ohne gerechten Grund zum Schweigen bringe, verliere die Gemeinschaft der Engel.